Brügge

Bruegge-Hans-im-Glueck(Stefan Feld, 2013)

Brügge im 15. Jahrhundert: In der belgischen Hansestadt blühen Kultur und Handel und machen die ehemalige Römersiedlung zu einer der wohlhabendsten Metropolen Europas. Wer in den engen Gassen des mittelalterlichen Stadtkerns richtig taktiert, seine Beziehungen zu den Mächtigen der Stadt gekonnt pflegt, wem Einfluss wichtiger ist als Redlichkeit, der kann auch im heutigen „Brügge“ des Spieleautors Stefan Feld schnell alle sozialen Hürden überspringen. Quasi vom Bettler zum Millionär …

Es ist ein umfangreiches Spiel, das da auf dem großen, runden Stadtplan des historischen Brügge seinen Lauf nimmt. Mit dabei sind u. a. über 160 verschiedene Personenkarten – vom Bettler bis zum König, von der Nonne bis zum Inquisitor – aus zehn unterschiedlichen Gruppen – von Adel bis Handel, von Klerus bis Kunst. Jede Person auf den detailliert gezeichneten Karten ist nur einmal im Spiel, um dann, wenn es darauf ankommt, ihre ganz besonderen Fähigkeiten einzubringen. Denn dafür gibt es die begehrten Punkte, mit denen sich Fortschritt und Aufstieg vorantreiben lassen …

Quelle: Schmidtspiele / www.hans-im-glueck.de © Hans im Glück Verlag
 
  • Für 2-4 Spieler ab 10 Jahren
  • Autor: Stefan Feld
  • Verlag: Hans im Glück
  • Spieldauer: ca. 60 Minuten

Spielablauf:

„Brügge“ wird in mehreren Runden gespielt, wobei jede Runde aus vier unterschiedlichen Phasen besteht: In der ersten Phase bereiten sich die Spieler auf die kommenden Ereignisse in Brügge vor: Sie füllen ihre Kartenhand auf, sichern sich damit ihr Einkommen und die Unterstützung der Bürger und wappnen sich gegen anstehende Bedrohungen.

Bruegge_2_FotoDie zweite Phase – würfeln – verspricht Spannung pur, denn der Startspieler muss gleich entscheiden, ob er sein Ansehen in der Stadt verbessern möchte oder nicht. Allerdings: Wer in Phase drei aufsteigen möchte, muss zahlen. Logisch! Und: Wer nicht zahlen kann (oder will, weil er seine Spieltaler sparen möchte), darf auch nicht aufsteigen. Auch logisch! Groß Furore wird er damit jedoch in „Brügge“ nicht machen, wenn in der vierten Phase Macht, Erfolg und Einfluss überprüft werden …

In der nächsten Phase bestimmen Aktionen das Geschehen und jeder Spieler in jedem Zug, was zu tun ist: Etwa Luxusgüter abholen, Geld einfordern, Schaden begrenzen, Kanäle oder Häuser bauen. Nachdem jeder Spieler vier Aktionen ausgeführt hat, geht es in die nächste Runde. Um hier noch schneller alle sozialen Hürden zu überspringen, um noch mehr Einfluss bei den Mächtigen und Reichen zu erwerben, um noch effizienter zu bauen. „Brügge“ setzt den Spielern (ab zehn Jahren) mitunter richtig zu. Da muss man konzentriert bei der Sache bleiben, um die Chancen, die man sich selbst – oder dem unachtsamen Mitspieler – eröffnet, strategisch gekonnt zu nutzen. Nur so lassen sich Runde für Runde entsprechende Punkte hamstern. Bis zum großen Finale, wenn in „Brügge“ abgerechnet wird. Schon möglich, dass da der Bettler weiterhin Bettler bleibt. Ungerecht?! Wohl kaum: Wer sagt denn, dass der König auf seinem Thron bleibt? Sozialen Abstieg nennt man das. Auch der ist nämlich bei „Brügge“ möglich.

Quelle: Schmidtspiele / www.hans-im-glueck.de © Hans im Glück Verlag

Erstes Spielgefühl (erster Eindruck):

Nach all dem, was teilweise schon in der Spiele-Szene zu hören und zu lesen war, wurde es Zeit, das auch wir unseren Senf dazugeben. Zumal BRÜGGE kürzlich auch noch neben 2 anderen Spielen zum Kennerspiel des Jahres nominiert wurde. Entsprechend hoch war die Spannung auf das, was uns erwartete. Für unsere erste Testpartie haben wir uns bei unserem Juni-Spiele-Abend spontan drei ganz unterschiedliche Spielertypen an den Tisch geholt, um gemeinsam mit ihnen BRÜGGE zu spielen, um erste Eindrücke zu gewinnen.

Zunächst wurde das Spiel aufgebaut, und das Spielmaterial begutachtet. Und welch Überraschung! Einer der Probanden war rein zufällig kürzlich in Brügge und fand die grafische Gestaltung des Spielplans sehr gelungen, denn er erkannte einige Gebäude auf Anhieb wieder. Doch ob ihm dieser Vorteil im späteren Spiel etwas bringen würde, wurde von den anderen Mitspielern sofort bezweifelt, handelt es sich doch bei BRÜGGE um ein Strategiespiel und nicht um ein Städte-Quiz. Also weiter im Text. Allen sind auch sofort die Karten aufgefallen, und die Tatsache, dass es 165 individuelle Karten sind, deren Charaktere unverwechselbar die Handschrift des Grafikers Michael Menzel tragen. Auch in diesem Punkt gefiel BRÜGGE sofort. Nach kurzem Regelstudium und Erklärungen meinerseits, ich hatte die Regeln zuvor schon 2x gelesen, wurde das Spielmaterial verteilt und der Startspieler bestimmt. Wir einigten uns darauf, sofort loszuspielen, was sich später als durchaus praktische Vorgehensweise herausstellte. Zwar war zu Beginn niemanden genau klar, was eine mögliche Strategie sein könnte, daher machte jeder von uns etwas anderes, um einmal alle Aktionsmöglichkeiten zu sehen. Schließlich ging es darum, BRÜGGE kennenzulernen und nicht darum, unbedingt sofort gewinnen zu wollen. Zu Beginn einer Runde kommen die Phasen: Handkarten ziehen, würfeln und Würfel auswerten. Der Anfang ist eigentlich einfach. Doch dann, wenn es darum geht, mit 4 seiner 5 Handkarten etwas zu tun, fangen die Probleme an. Wobei, Probleme sind es eigentlich nicht, es sind vielmehr die vielen Möglichkeiten, die teilweise voneinander abhängig sind, beziehungsweise aufeinander aufbauen. Das macht die Sache „verdammt tricky“ und wir waren ständig hin und hergerissen.

Zwischenbemerkung: Die Regeln waren dank des gut strukturierten Regelwerks und der Beispiele schnell klar, und auch kurzes Nachlesen war nicht besonders spielflusshemmend.

Bruegge_FotoNach ein paar Zügen waren zumindest der Ablauf und die möglichen Phasen, Züge und Aktionen klar. Eine gute Strategie hingegen blieb uns noch verborgen. Gegen Mitte der Partie hatte aber jeder von uns eine (seine) Strategie gefunden. Jedenfalls dachte jeder von uns, die Beste zu haben. Doch nun, da ein gewisser Spielfluss da war, ging es schnell. Das Spiel „beschleunigte“ und wir waren ständig unter Druck, permanent zwischen möglichen und gewünschten Aktionen entscheiden zu müssen. Die Spannung stieg! Umso überraschter waren wir, als wir die Höhe des Nachziehstapels genauer betrachteten. Völlig unbeobachtet wurde dieser rapide kleiner. Es war also Eile geboten – noch mehr Spannung, noch mehr Druck. (Bei mir: noch immer zu wenig Gulden…)

Dann war es soweit, die erste Partie BRÜGGE war vorbei und die Endabrechnung brachte einen Sieger hervor. Es war der Mitspieler, der kürzlich in Brügge war. Zufall? – bestimmt.

Wichtig für mich war, was jetzt kam. Die Frage, wovor sich freiwillige Mittester immer fürchten: „Und? – wie war’s?“ – kurzes Schweigen, doch dann trauten sie sich doch, mir ihren ersten Eindruck mitzuteilen. „Gutes Spiel“, „Hat Spaß gemacht“ und „Machen wir noch einmal eine Runde? – war cool“. Zu meiner Überraschung waren sich alle einig, denn auch mir hat BRÜGGE sehr gut gefallen. Jetzt muss sich zeigen, wie es in einer Partie zu zweit und zu dritt abschneidet, und wie es ist, wenn man es ein paar Mal gespielt hat. Eines steht jedenfalls schon mal fest: Ich will noch mal, noch mal, noch mal!

Meine Mittester der ersten Partie waren:
Daniel (Gelegenheitsspieler, spielt gerne Catan und Talat)
Matthias (Gelegenheitsspieler, spielt gerne mal was Neues)
Jutta (Vielspieler, spielt gerne Stone Age und Dog/TAC)

Ihnen gilt hier mein besonderer Dank.

 

Fazit allgemein:

Brügge spielt sich im Allgemeinen sehr flüssig, ohne große Haken und Ösen. Die Spielregeln sind sehr stimmig und das Spiel an sich fast so fein abgestimmt, wie ein mechanisches Uhrwerk. Ein Rädchen (hier: Spielelement) greift ins Andere, und ist dabei selbst immer von anderen Rädchen abhängig.
Der Spieleinstieg für Vielspieler ist sehr zügig und auch Gelegenheitsspielern gelingt es sehr schnell, sich mit dem Spielablauf vertraut zu machen.

Eine mögliche Strategie lässt sich vor/bei Spielbeginn nicht festlegen, sie hängt im Wesentlichen von den beiden (Nachzieh-)Kartenstapeln ab und muss oft auch (mehrfach) geändert werden.

Zwar sind die Interaktionsmöglichkeiten überschaubar, aber dennoch, wenn die Interaktion kommt, ist’s als würde das Schicksal erbarmungslos zuschlagen. Und wenn es dann einmal nicht der Mitspieler ist, der einem Knüppel zwischen die Beine wirft, sind es die Bedrohungsmarker, die (natürlich) mal wieder zum falschen Moment kommen. Apropos Schicksal: wie bei vielen gleichartigen Spielen, so ist auch bei Brügge genau im falschen Moment das Geld knapp, was wiederum dazu führt, seine eigene Taktik erneut zu überdenken. Und ganz wichtig: „Du kann nicht alles haben!“ – Diesen Satz hat man permanent im Hinterkopf.

Der Wiederspielreiz ist hoch, jedoch der „Grübel-Faktor“ ebenfalls. Schon ein Grübler am Tisch kann das Spiel enorm in die Länge ziehen und Spiel-Frust bei den Mitspielern verursachen.

Fazit 2-er Partie:

Als Zweierpartie konnte mich Brügge nicht überzeugen. Zu viel Solitär-Gefühl! – aber das ist subjektiv, das ist reine Geschmackssache.

Die Meinung der Anderen:

Und das meint die Jury „Kennerspiel des Jahres“: Im Mittelalter war selbst für aufstrebende Kaufleute in einer wohlhabenden Handelsstadt das Leben hart. Brügge bildet eindrucksvoll ab, wie sehr das Schicksal zuschlagen konnte – im Guten wie im Schlechten. Würfelergebnisse und Kartenglück bestimmen das Los der Spieler. Aber nicht nur: Brügge beeindruckt ebenso mit einer Vielzahl an Lösungsmöglichkeiten, um dem Zufall ein Schnippchen zu schlagen – und das vor einem perfekt in Szene gesetzten historischen Stadtbild.

Quelle: Schmidtspiele/Hans im Glück

© 21.06.2013 / 01.07.2013 Oliver Sack
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Vielen Dank an den Schmidtspiele/Hans-Im-Glück-Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidtspiele/Hans im Glück – Fotos mitte/unten © Oliver Sack

Ein Kommentar

  • Mir gefällt Brügge ausserordentlich gut – auch das Spiel zu Zweit bringt mir noch genügend Wettkampfatmosphäre um die Bonuspunkte und es spielt sich zügig.

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