Colt Express

Colt-express-3(Christophe Raimbault,2014)

Im späten 19. Jahrhundert war die Eisenbahn des amerikanischen Westens ein beliebtes Ziel für Banditen. Mit waghalsigen Manövern sprangen sie auf die Waggons und in die Abteile hinein, um den ehrbaren Reisenden Geldbörsen und Schmuck zu rauben.

  • Für 2 – 6 Spieler, ab 10 Jahren
  • Autor: Christophe Raimbault
  • Verlag: Ludonaute
  • Spielzeit: ca 40 Minuten

In Colt Express sind die Spieler diese Banditen, auf der Jagd nach fetter Beute. Jeder will das meiste Geld erbeuten. Doch die anderen Spieler und der Marschall machen ihnen die Sache schwer. Wer wird einen kühlen Kopf bewahren, sich in und auf dem Zug am klügsten bewegen und sich auf dem Raubzug keine Kugeln einfangen?
Nur ein Bandit wird es schaffen, der reichste Gesetzlose der Bande zu werden.

Quelle: PM Asmodee, 2014

Das Spiel in Kürze

Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines Wild-West-Banditen und versucht, in 5 Spielrunden so viel Beute wie möglich zu machen. Beute, das heißt in diesem Spiel, seine Spielfigur von Waggon zu Waggon zu bewegen, und Geldsäcke oder Juwelen der Mitreisenden (anständigen) Leute zu stehlen.

Zu Beginn zieht jeder Spieler aus seinen 10 Aktionskarten sechs, mit denen er die aktuelle Runde bestreitet. Zur Auswahl stehen dabei Karten, die eine Bewegung erlauben, Beute machen und Karten, mit denen ich meine Mitspieler ärgere. Zu Letzteren gehören Karten, die den Marschall durch den Zug bewegen, auf der Suche nach Banditen, aber auch Karten, mit denen man seinen Mitspielern Beute abluchsen kann.

Der Ablauf einer Runde wird jeweils zufällig durch eine Rundenkarte bestimmt, die angibt, wie viele Durchgänge in einer Runde gespielt werden, und ob Karten offen oder verdeckt ausgespielt werden. Außerdem hat jede Rundenkarte meist noch eine Zusatzfunktion, die eine bestimmte Aktion am Rundenende auslöst.

Colt-Express-1In der ersten Rundenphase (Planungsphase) spielt jeder Spieler, beginnend beim Startspieler und dann im Uhrzeigersinn, eine Karte seiner Wahl auf einen offenen Stapel aus. Außer, die Rundenkarte schreibt das verdeckte Ausspielen vor, dann wird eben verdeckt ausgespielt. Hat jeder Spieler eine Karte ausgespielt, so folgt der nächste Durchgang, bei dem wieder die Karten auf den bereits liegenden Stapel ausgespielt werden. Am Ende, wenn alle Durchgänge gemäß Rundenkarte durchgespielt wurden, endet die Planungsphase. Der Startspieler nimmt nun den gebildeten Stapel, dreht diesen um und die Karten werden der Reihe nach ausgeführt. Dies macht umso mehr Spaß, wenn man dazu eine Geschichte erzählt, und nicht einfach nur sagt „Rot bewegt sich nach oben auf’s Dach“. Hier ist etwas Fantasie sicher nicht fehl am Platze. Spätestens jetzt zeigt sich auch, ob man die Karten in der richtigen Reihenfolge abgelegt hat, und ob sich die ganze Situation im Zug so entwickelt, wie man es sich gewünscht (geplant) hat. Alle abgehandelten Karten kommen dann, zusammen mit eventuell durch Schlägereien oder Schusswechsel erhaltenen Patronenkarten auf einen persönlichen Ablagestapel. Zu beginn der nächsten Runde zieht jeder Spieler wieder 6 Karten vom Nachzugstapel. Sind dort nicht mehr genügend Karten, wird der Ablagestapel gemischt und als Nachziehstapel bereit gelegt. Hier kann es jetzt passieren, das man Patronenkarten aufzieht, die einem das 6-er Deck in den Möglichkeiten einschränkt, denn die Patronenkarten erlauben keine Aktion – die Auswahl an Aktionen sinkt also in dieser Runde. Allerdings kann man auch auf das Ausspielen einer Karte verzichten und stattdessen drei Karten zusätzlich aufziehen, was die Anzahl der Möglichkeiten wieder nach oben schraubt.

Das Spiel endet nach der fünften Runde, und es gewinnt, wer die meiste Beute gemacht hat. Davor gibt es noch einen sehr lukrativen $1000 Bonus für den Spieler, der die meisten Patronen verschossen hat.

Hab ich etwas vergessen? – Ja, die Charaktere! Jeder Spieler verkörpert einen individuellen Charakter, und jeder Charakter hat eine besondere Fähigkeit. Diese besondere Fähigkeit kann permanent im Spiel genutzt werden. So darf zum Beispiel „Doc“ immer sieben statt sechs Karten ziehen, und „Tuco“ kann durchs Dach schießen. Kleiner Tipp: Immer vor dem Spiel die Charaktere durchgehen, damit jeder weiß, was er spezielles kann und darf.

Unser Spielgefühl

Colt-Express-2Richtig interessant wird Colt-Express erst mit fünf oder sechs Spieler. Hier hatte unsere Spielgruppe definitiv den größten Spaß. Wirken zu Beginn die Spielregeln auch etwas verwirrend, so ist spätestens in der zweiten, dritten Runde alles klar und man hat den Ablauf verstanden. Die Verwirrung kam auf, da in den Regeln einmal in Blöcken vertikal, dann wieder in Blöcken horizontal gelesen werden muss. Hier ist sehr schnell etwas überlesen oder falsch interpretiert. Ein bisschen mehr Formatierungs-Disziplin hätte der Regel sicher gutgetan.

Nicht zu unterschätzen war in allen Partien der er Glücksfaktor. Bisweilen wirke ein Durchgang trotz „perfekter“ Planung für den einen oder anderen eher chaotisch als geplant, vor allem wenn man seine Karten in der falschen Reihenfolge ausspielt.

Das Spielmaterial ist thematisch sehr gut gestaltet und der 3D-Zug ist das unbestrittene Highlight des Spiels. Einzig die Beute (Edelsteine und Geldsäcke) ist etwas fummelig ausgefallen. Einige unserer älteren Mitspieler hatten Probleme beim Greifen der Geldsäcke und beim Lesen der Werte auf den Geldsäcken.

Aus der Testgruppe

Jutta meint: „Colt Express – auf jeden Fall ein Spiel wo man immer spielen kann, vor allem in größeren Runden. Aber nie abendfüllend sein wird.“

Anmerkung

Vor dem ersten Spiel sollte man gut 20-30 Minuten Montagezeit schon investieren/einplanen, um den gesamten Zug zu montieren. Die dazugehörige Bastelanleitung ist eindeutig und gut zu verstehen. Wer dennoch ein Problem bei der Montage der Lokomotive und der 6 Waggons hat, der kann sich via QR-Code ein Montage-Video anschauen. Der jeweils passende QR-Code für Lok und/oder Waggon befindet sich auf der entsprechenden Anleitung. So steht einem problemlosen „Erst-Aufbau“ nichts im Wege. Der fertige Zug passt anschließend in die Spielschachtel, sodass er für weitere Spielpartien nicht demontiert und wieder montiert werden muss.

Stellungnahme

Colt_Express_Box-horzEs ist vielleicht nicht jedermanns Sache, bei einem Familienspiel (und Spiel des Jahres) auf andere zu schießen, oder andere im Spiel zu schlagen und zu berauben. Aber das ist Ansichtssache und Geschmackssache. Ich habe mich einmal zu diesem Thema geäußert und dafür teilweise verbal „Prügel bezogen“ im WWW. Aus diesem Grund habe ich versucht, hier diesbezüglich neutral zu schreiben, und vor allem auch die Eindrücke der Mittester stärker als sonst einzubinden.

Jedes Spiel hat Freunde und Feinde – JEDES! Und das ist gut so.
Persönlich hat mir Colt Express gefallen, aber als Spiel des Jahres ….


© 24.07.15 Oliver Sack / Du bist anderer Meinung? – oder möchtest etwas hinzufügen, ergänzen oder kritisieren? Dann schreib uns, wir veröffentlichen deinen Kommentar und freuen uns über jedes Feedback.


Vielen Dank an Asmodee/Ludonaute, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Asmodee/Ludonaute – Foto: © Oliver Sack

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