Imperial Settlers

Imperial_Settlers_1(Ignacy Trzewiczek, 2014)

„Die Siedler“ aus dem bekannten PC-Spiel-Klassiker, kommen jetzt auch auf Deutsch auf den Spiel-Tisch. Siedeln im Comic-Look.

Neues Land in Sicht! Für die vier großen Weltmächte im neuen Kennerspiel Imperial Settlers bedeutet das: Besiedeln, Gebäude errichten, Wirtschaft ausbauen, Handel betreiben, Rohstoffe sammeln und Truppen ausbilden. Doch das Land wird schon wieder knapp und das bedeutet Krieg, denn es kann nur eine Großmacht geben. In diesem Strategiespiel schlüpfen die Spieler in die Rolle eines von vier Reichen, um aus einem einfachen Staat ein mächtiges Imperium aufzubauen.

  • Für 1-4 Spieler ab 10 Jahren
  • Autor: Ignacy Trzewiczek
  • Soloregeln: Maciej Obszański
  • Verlag: Pegasus
  • Spieldauer: ca. 45-90 Minuten

Egal ob Japaner, Ägypter, Römer oder Barbaren – sie haben alle nur eins im Sinn: Das mächtigste Reich im neuen Land errichten. Viele Aktionen werden über Karten ausgeführt. Dabei können die Handkarten unterschiedlich genutzt werden und für einmalige Rohstoffe zerstört, als Handelsabkommen für dauerhafte Rohstoffe ausgelegt oder als Ort mit bestimmten Effekten errichtet werden. Neben den jeweiligen Völkerkarten mit individuellen Fähigkeiten gibt es auch allgemeine Karten, auf die jeder Spieler zugreifen kann. So müssen die Spieler oft die kniffelige Entscheidung treffen, vom allgemeinen oder ihrem eigenen Kartenstapel zu ziehen. Jeder Stapel enthält unterschiedliche Karten und Möglichkeiten.

Die Spieler müssen über fünf Runden hinweg strategisch planen und in jedem Zug entscheiden, welche Aktionen sie durchführen und auf welche sie verzichten. Lieber einen eigenen neuen Ort bauen oder einen Ort des Mitspielers zerstören? Lieber eine weitere Aktion ausführen oder passen, um sich vor den Angriffen der Mitspieler zu schützen? Wird der Wettstreit um den Sieg kriegerisch oder friedlich ausgetragen? Wer im Laufe der fünf Runden die meisten Siegpunkte gesammelt hat, ist der mächtigste aller Herrscher und gewinnt das Spiel.

Quelle: PM Pegasus, 07.08.2015

Erster Eindruck

Die ersten Kennenlern-Partien haben wir zu zweit gespielt. Dabei sind uns ein paar Fehler unterlaufen, die für Verwirrung sorgten. Jedoch waren nicht die Spielregeln daran schuld, sondern eher wir selbst. „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Dieser abgedroschene Spruch trifft es hier wohl am besten. Da aber der Spielreiz grundsätzlich gegeben war, ließen wir uns auch nicht entmutigen. Nach drei Partien waren wir dann sicher, alles richtig gemacht zu haben. Ein abschließendes Lesen der Regeln hat dies dann auch bestätigt. Und wenn wir schon bei alten Sprüchen sind, dann trifft dieser hier jetzt auch zu: „Kaum macht man es richtig, schon funktioniert es!“ Und genau so war’s. Nach der dritten Partie hatten wir genau das Spielgefühl, welches wir uns erwartet hatten. Der Spielspaß hingegen blieb unverändert hoch.

Spielmaterial und Ausstattung

Das Spielmaterial ist von gewohnt guter Qualität. Die Papp-Chips sind stabil und lassen sich vor der ersten Partie problemlos aus den Stanzbögen drücken. Die Spielkarten sind liebevoll und zum jeweiligen Thema passend illustriert.

Einziger Kritikpunkt sind die Siegpunktmarker. Sie sind mir dann doch etwas zu fummelig. Hier wären schöne, kleine Holzscheiben wesentlich praktischer gewesen.

Die Spielregeln sind ausführlich und mit ausreichend Beispielen versehen. Wir empfehlen allerdings, nach der Ersten Partie die Regeln nochmals gemeinsam zu lesen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Das überlesen von Wörtern wie zum Beispiel „einmalig“ hat in unseren Runden zunächst für große Verwirrung gesorgt. Erst beim Nachlesen viel uns auf, das eigentlich alles in den Regeln steht, man muss es eben nur lesen. Daher unser Tipp: aufmerksam lesen, nicht überfliegen!

Die Spielkarten, quasi das wichtigste Spielelement, sind super illustriert und klar strukturiert. Baukosten, Funktionen usw. sind durch klare und logische Piktogramme dargestellt. So ist wirklich alles auf den Karten sofort zu erkennen. Karten, die etwas mehr Erläuterung benötigen, werden in den Spielregeln separat aufgeführt und beschrieben.

Imperial_Settlers_2Unser Spielgefühl

„Imperial Settlers“ bewegt sich irgendwo zwischen „Catan“ und „Dominion“. Wir ziehen Karten, bekommen Ressourcen, erweitern unsere Auslage und expandieren. Wird unser Gegenspieler zu stark, werfen wir ihm Stöcke zwischen die Beine, indem wir ihm wichtige Gebäude einreissen um seine Produktion lahmzulegen. Ganz wie im guten alten PC-Spiel. Die vier unterschiedlichen Völker bieten zudem die Möglichkeit, sich in der Spielweise einerseits vom Mitspieler abzuheben, andererseits aber auch differenzierter reagieren zu können. Um jedoch nicht zu Beginn mit zu komplexen Regeln und Kartenmechanismen überfordert zu werden, empfehlen Autor und Verlag in einer Partie zu zweit, die Römer gegen die Barbaren antreten zu lassen, bevor, nach etwas Übung, die Ägypter und Japaner die Bühne betreten. (Letztere haben schließlich auch eine längere Anreise 😉 ) Wem das dann nicht genug ist, kann sich schon einmal der Vorfreude hingeben, denn bereits im Herbst 2015 sollen weitere Völker als Erweiterung auf den deutschen Markt kommen.

Bei all den strategischen und planerischen Möglichkeiten darf jedoch eines nicht vergessen werden: die Nachziehstapel. Sie bringen den Glücksfaktor ins Spiel. Denn was nützt die beste Strategie, wenn die richtigen Karten nicht kommen wollen. Das kennen wir schon aus unzähligen Spielen. Hier hat man jedoch die Möglichkeit, dieses Glücksmoment mit Spielerfahrung zu minimieren. Das macht das Spiel zwar nicht zu einem hoch-komplexen Kartenspiel, hält aber dafür auch den Spannungsbogen über die gesamten fünf Spielrunden konstant hoch.

Das Solospiel

In der Solo-Variante spielt man gegen einen imaginären Gegner, der einem immer wieder Gebäude zerstört. Nach ebenfalls fünf Runden ist Schluss, und Ziel ist es, mehr Gebäude zu haben als der fiktive Gegenspieler.

Diese Variante ist sehr interessant und macht Spaß. Damit man jedoch nicht einfach nur Punkte bekommt, kann man seine erreichten Punkte mit einer Tabelle in den Spielregeln vergleichen. Da steht dann unter anderem, das man für weniger als 30 Punkte sich fortan als „Bürger“ bezeichnen darf, oder bei 50-60 Punkten als „Ritter“. Und mal ehrlich, wenn in den Regeln steht, das man sich ab 70 Punkte als „König“ und ab 80 Punkte gar als „Kaiser“ fühlen darf, wer versucht dann nicht, diese Punkte auch zu erreichen? – Eben! Somit ist der Wiederspielreiz im Solospiel automatisch gegeben.

Zielgruppe

Eine Zielgruppe für „Imperial Settlers“ zu benennen ist recht schwer. Fakt ist jedoch, es ist kein Familienspiel für die gelegentlich spielende Familie. Dafür ist es zu komplex – vor allem dann, wenn Japaner und Ägypter mit von der Partie sind. Für Wenigspieler ist es ohnehin nichts, aber der begeisterte Deckbau-Spieler wird sicher seine Freude damit haben. Und nicht nur der. Leute wie ich, die schon früher gerne „Die Siedler II“ am PC gespielt haben, werden begeistert sein und sicher alle Völker einmal spielen wollen. Vielspieler, die sehr gerne komplexe Spiele mögen, werden hier zwar nicht überfordert sein, aber sie werden sich wohlfühlen und entdecken sicher die eine oder andere Finesse bei der Auswahl einer vermeintlich guten Strategie. Aber Achtung: Der Gegner schläft nie!

Fazit

„Imperial Settlers“ ist ein schönes Spiel, das gerne auch zweimal hintereinander gespielt werden kann. Klare Regel, kalkulierbarer Glücksfaktor und viele taktische Möglichkeiten machen „Imperial Settlers“ zu einem Spiel mit Suchtfaktor (wie bei „Die Siedler II“am PC). Gefallen hat uns auch der unkomplizierte Aufbau (es kann sehr schnell losgespielt werden) und die klare Punkt-Abrechnung bei Spielende, ohne viel Schnickschnack. Die Völker und ihre individuellen Funktionen empfinden wir als sehr ausgewogen, sodass jeder Spieler, egal, mit welchem Volk er spielt, die selben Siegchancen hat.


© 07.08.15 Oliver Sack / Du bist anderer Meinung? – oder möchtest etwas hinzufügen, ergänzen oder kritisieren? Dann schreib uns, wir veröffentlichen deinen Kommentar und freuen uns über jedes Feedback.


Vielen Dank an Pegasus, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Pegasus – Foto: © Oliver Sack

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Please Do the Math