Nauticus

Nauticus(Kramer/Kiesling, 2013)

Werftinhaber, Reeder und Kaufmann, das sind ja gleich drei Dinge auf einmal …

Geht nicht? Doch natürlich! In NAUTICUS übernimmt jeder Spieler eine Werft und versucht, Schiffe in verschiedenen Größen fertigzustellen, um mit diesen Waren zu transportieren und an den Mann zu bringen. Na gut, ganz so einfach ist das nicht, denn die Masten und Segel der Schiffe müssen präzise aufeinander abgestimmt werden. Gewinnen wird der Spieler, der die größten Schiffe baut und die wertvollsten Waren verschifft.

Das Besondere an diesem Spiel ist das Aktionsrad. Dieses ermöglicht einen flotten Spielverlauf, bei dem sich die Spielzüge der einzelnen Spieler schnell abwechseln, so dass jeder immer am Spiel beteiligt ist.

Quelle: www.kosmos.de © KOSMOS Verlag
 
  • Für 2-4 Spieler ab 12 Jahren
  • Autor: Wolfgang Kramer und Michael Kiesling
  • Verlag: Kosmos
  • Spieldauer: ca. 60-90 Minuten

Nauticus, ein Kosmos-Spiel, das schon vor der Spielemesse SPIEL’13 im Oktober 2013 für Aufsehen sorgte. Zu Recht? – Wir wollten’s genau wissen, und haben uns entführen lassen in die Welt der Reeder, Händler und Kaufleute des 17/18. Jahrhunderts.

Das Spiel:

Der Spiel-Ablauf ist eigentlich denkbar einfach. Gespielt wird über 5 Runden (zu zweit 4 Runden), jede Runde besteht aus 7 von 8 möglichen Aktionen, die von jedem Spieler durchgeführt werden können. Der Startspieler wechselt, nachdem jeder Spieler die aktuelle Aktion durchgeführt, oder gepasst hat. Der Startspieler ist auch derjenige, der die aktuelle Aktion vorgibt, bzw. auswählt. Dafür bekommt er, und nur er, einen Bonus. Hat der Startspieler seine gewählte Aktion abgearbeitet, folgen die anderen Spieler, die dieselbe Aktion durchführen dürfen, oder passen. Anschließend wechselt der Startspieler, und der Ablauf wiederholt sich, bis insgesamt sieben der acht möglichen Aktionen gewählt wurden, dann endet die Spielrunde. Am Rundenende werden die Aktionsplättchen auf dem Aktionsrad neu gemischt, und wieder zufällig einem Bonus zugeordnet. Nach der fünften Runde folgt die Schlussabrechnung, quasi die „Stunde der Wahrheit“.

Die Krux liegt im Detail, denn welche Aktion gerade die richtige ist, und welche Aktion eventuell für die Mitspieler eher unangenehm ist, das zeigt sich immer erst dann, wenn man an der Reihe ist. Das hält die Spannung von Beginn an hoch. Einfach nur mal so ein Schiff bauen und schauen was passiert, ist definitiv zu wenig, es gehört schon einiges an Planung dazu. Bei Nauticus dreht sich nicht das Rad, vielmehr dreht sich alles um ein Rad. Das Aktionsrad ist das zentrale Element des Spiels und gibt die Spiel-Aktionen vor, die einem zu Siegpunkten verhelfen sollen.

Die Aktionsmöglichkeiten im Einzelnen:

  • Rumpfteile für das eigene Schiff kaufen – es besteht die Möglichkeit, Schiffe mit kleinem Rumpf = Einmaster, Zweimaster, Dreimaster oder große Schiffe, Viermaster zu bauen.
  • Masten kaufen – klar, brauchen wir.
  • Segel kaufen – logisch.
  • Waren kaufen – um diese zu verkaufen.
  • Waren verschiffen/verkaufen – bringt später Siegpunkte.
  • Waren und Schiffsteile aus dem Lager holen – alle Teile eines Schiffes und alle Waren, die wir bekommen, ohne etwas dafür zu bezahlen, müssen immer ins Lager gelegt werden. Erst wenn wir diese mit dieser Aktion aus dem Lager holen, können wir sie verwenden.
  • Geld abheben – Geld braucht man immer und hat meist zu wenig (wie im richtigen Leben).
  • Kronenwertung – dies ist eine Sonderwertung für ausliegende Kronen, die man fürs Passen oder durch Boni bekommen kann. Bei der Kronenwertung können sofort Siegpunkte abgeräumt werden.

Gelingt es einem Spieler, in seinem Spielzug ein Schiff fertigzustellen, bekommt er zusätzlich einen Bonus in Abhängigkeit der Anzahl der Masten dieses Schiffes.

Ein Bonus kann sein:

  • Ein „Kronen-Mast“ – bringt Punkte bei einer Kronenwertung, und kann auf jedes Schiff gebaut werden, auch wenn dort schon ein anderes Wappen liegt.
  • Ein „Kronen-Segel“ – siehe Mast.
  • 3 Arbeiter – auch immer Mangelware, also sehr gut zu gebrauchen.
  • 7 Taler – wie gesagt, Geld ist ohnehin knapp.
  • 3 Siegpunkte – werden sofort notiert.
  • 2 beliebige Waren – können später vom Lager ins Schiff gelegt werden, um sie auszuliefern.

Darüber hinaus gibt es 1 einziges Mal im Spiel die Möglichkeit, eine der acht Aktionen ganz alleine durchzuführen, ohne dass die Mitspieler sich einklinken können. Dies wird meist in der vierten oder fünften Runde geschehen, da sich dadurch oft auch spielentscheidende Situationen ergeben können, ist diese Extra-Aktion ein sehr mächtiges Element, das wie gesagt aber mit viel Bedacht eingesetzt werden sollte. Planung ist eben alles!

Erster Eindruck:

Schönes, solides Familienspiel – aber, kein Glücksspiel. Das Spiel baut zu sehr großen Teilen auf Planung. Wer schlecht oder ohne Struktur plant, gerät schnell ins Hintertreffen. Die erste Partie sollte man daher ausschließlich zum Kennenlernen des Spiels, dessen Mechanismus und Möglichkeiten nutzen, egal wer punktet und egal wer gewinnt.

Schwer ist Nauticus nicht, auch wenn der Umfang der Spielregeln dies zunächst befürchten lässt – alles ist sehr gut beschrieben. Bereits in der Zweiten von fünf Spielrunden ist eigentlich klar wie’s funktioniert.

Der Weg zu einer einigermaßen praktikablen Strategie ist jedoch lang, da die eigene Strategie immer auch von der Wahl der Aktion der Mitspieler abhängig ist. Aber gerade das macht Nauticus auch interessant. Und selbst wenn man die Aktionswahl der Mitspieler nicht beeinflussen kann (aber man wird dies immer versuchen), so sind sie oft voraussehbar, was einem bei der eigenen Planung wiederum sehr hilfreich sein kann.

Der Spielspaß und die Spannung bleiben nicht nur von Beginn an erhalten, sondern steigern sich gegen Spielende gewaltig, sodass einem das Spielende schneller entgegen eilt, als einem lieb ist. Da wird dann auch die „Extra-Aktion“ fast schon panisch eingesetzt. So soll es sein, so macht es Spaß.

Hier ist alles fein aufeinander abgestimmt und erlaubt unterschiedlichste Strategien. Mit einer großzügigen Ausstattung dürfte Nauticus für gesellige Runden sorgen.

Apropos Material, beim Material bleiben eigentlich fast keine Wünsche offen. Gute Verarbeitung, klasse Gestaltung. Einzig die „Arbeiter“-Figuren gefallen uns ganz und gar nicht, denn diese „Arbeiter“ begegnen uns hier als schnöder Holzquader mit einer Kantenlänge von 10,3mm und einem Gewicht von 0,71 Gramm. Liebe Kosmos-Redaktion, das könnt ihr doch bestimmt besser.

Eindruck nach zwei weiteren Partien:

Nauticus hält nicht nur viele Überraschungen und Möglichkeiten bereit, nein, es lässt auch sehr viel Spielraum zum planen, rechnen und taktieren. Welche Taktik ist die Beste? Schnell einen Viermaster bauen, oder sich doch lieber eine kleine Flotte Ein- und Zweimaster anschaffen? So richtig absetzen konnte sich bei unseren Runden weder jemand mit der einen noch mit der anderen Taktik. Entgegen unserer ersten Einschätzung müssen wir auch den Anforderungswert etwas nach oben korrigieren. Ein anspruchsvolles Familienspiel, mit Kennerspiel-Potenzial. Was bleibt, ist der Spielreiz, dieser war auch bei der zweiten und dritten Partie sehr hoch und die Zeit (ca. 90 Minuten) vergingen wie im Flug. Ein Spiel, das so schnell nicht langweilig wird.

Fazit:

Ein weiteres Zeichen für ein gutes Spiel ist auch die Zeit und die Geschehnisse nach dem Spiel zu beobachten. Während ein mittelmäßiges oder nicht ganz so gutes Spiel recht schnell eingepackt wird, so ist es doch immer wieder interessant zu beobachten, was bei guten Spielen im Anschluss passiert. Dies lässt folglich den Schluss zu, das, je besser ein Spiel bei der Spielgruppe ankommt, desto länger wird danach darüber diskutiert. Oder, im Umkehrschluss, wenn nach einem Spiel viel diskutiert wird, ist’s meist ein gutes bis sehr gutes Spiel.

Erinnert hat uns Nauticus vom Gesamteindruck her stark an „Puerto Rico“, ein Spiel, das auch wir sehr gerne spielen. Klar bleibt es immer reine Geschmackssache, ob einem ein Spiel gefällt oder nicht, deshalb wollen wir hier auch keine direkten Vergleiche zu anderen Spielen ziehen.

Randbemerkung:

Als persönliches Highlight unserer Testrunden möchte ich an dieser Stelle einmal die „Kramerleiste“ von Nauticus erwähnen. Diese „Kramerleiste“ ist wie für mich geschaffen. Normalerweise bedeutet es für mich, wenn ein Spiel eine Kramerleiste hat, gewinnt meine Frau. Doch bei Nauticus war dies bisher nicht so und wird hoffentlich auch so bleiben 😉 – oder: Ausnahmen bestätigen die Regel!

 


© 30.09.13 Oliver Sack

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Vielen Dank an den Kosmos-Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Kosmos / Foto: Oliver Sack

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