Spielwarenmesse Nürnberg 2016 – Teil 3

Eine kleine Rundreise durch Süddeutschlands Spielelandschaft

Nuernberg_2016_01Als zwar kleine Nummer unter 71.000 Fachbesuchern, die sich eine Woche lang durch die Messehallen schlängelten, war ich zumindest schlecht zu übersehen. Hatte aber auch aufgrund meiner Größe einen guten Blick „von oben“ auf die tollen Spiele. Aber was ich dann, wie ein Leuchtturmwärter, aus der Ferne bei Huch & Friends sah, weckte meine Neugier. Haben die da einen Hubschrauber auf dem Stand? Der Technik interessieret Spielevater musste sich das auf jeden Fall anschauen. Als ich dann vor der Flugmaschine stand, war ich schlicht ergriffen! Ein Held meiner Kindheit trohnte auf einem unspektakulären Sockel am Rande des Huch&Friends-Standes. Das FLIWATÜÜT – cool! Als Kind beneidete ich Robbi und Tobbi immer, wenn sie mit ihrem Fliewatüüt tolle Abenteuer erlebten. Überhaupt war und bin ich Fan der Augsburger Puppenkiste. Und jetzt kommt das Fliewatüüt auch noch ins Kino und auf den Spieltisch. Ich bin gespannt.

Huch&Friends

Neben dem Fliewatüüt gab es aber auch noch andere Spiele bei Huch&Friends zu bestaunen. Beginnen möchte ich mit „Skibe“, einem Kartenspiel von El-Gaucho-Macher Arve D. Fühler, bei dem wir uns als Wikinger in der Kunst des Schiffsbau messen können. Sieht witzig aus und ich hoffe das Spiel im April vom Autor erklärt zu bekommen (kleiner Seitenhieb!). Aber auch für Familien und Strategiefans hatten die Schwaben wieder etwas im Gepäck. Bei „Ulm“ geht es, wie der Name schon sagt, um Ulm. Genauer gesagt um das Markttreiben rund um das Ulmer Münster zu dessen Bauzeit. „Touria“ stach schon deshalb ins Auge, da mich die Cover-Grafik direkt an Lookout’s „Isle of Skye“ erinnerte. Auch dieses Familienspiel rund um die Hochzeit der Prinzessin Tara werden wir uns demnächst noch genauer anschauen. Mit YINSH, ZÉRTZ und TZAAR wird die erfolgreiche Reihe des GIPF Project erweitert, beziehungsweise neu aufgelegt. Diese abstrakten Legespiele mit den fantasievollen Namen sind zwar nicht jedermanns Sache, aber Fans werden sich sicher darüber freuen.

NSV

Von den Schwaben ging es direkt zu den Franken vom Nürnberger-Spielkarten-Verlag. Der NSV hatte ja quasi Heimspiel, und präsentierte sich mit seinen jüngsten Erfolgen „Qwixx“, „The Game“ und „Qwinto“. Daneben gab’s aber auch „Life is Life“ einem schnellen Kartenspiel, das Dank kurzer Vorbereitung und Spieldauer sicher einen Platz auf heimischen Spieletischen finden wird. Ob es aber an die Erfolge von „Qwixx“ oder „The Game“ anknüpfen kann, wird sich im Laufe des Jahres noch weisen. Den Nürnbergern sei es aber gewünscht.

Zoch

Von Schwaben über Franken ging es dann weiter Richtung Süden, in die bayrische Metropole zu Zoch. Zwar gehört der Münchner Zoch-Verlag seit 2010 zu Noris-Spiele in Fürth (Franken) und somit zur Simba-Dickie-Group, aber eingefleischte Spielefans wissen die Spiele des Zoch-Verlags seit seiner rein bayrischen Zeit zu lieben und zu schätzen. Übrigens stammt einer der Verlagsgründer Klaus Zoch aus dem badischen Hornberg, nur knapp 20 km vom Spielevater entfernt.

Zoch richtet sich zumeist an Familien und Kinder, und stellt auch 2016 wieder Spiele für diese Zielgruppe vor. Für die Kleinsten, ab 4 Jahren, präsentierte man in Nürnberg „Spring ins Feld“, einem schönen Sammelspiel für Kinder. An große Kinder und alle ab 10 Jahren richtet sich „Ice Cult“. Ein Taktikspiel mit tollem Material, einfachen Regeln und viel taktischem Tiefgang. Räumliches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen sind dabei ebenso unerlässlich, wie vorausschauendes spielen. „Ice Cult“ ist auf jeden Fall einen Blick wert. <Bild: Nuernberg_2016_02> Im Gegensatz zur Fortführung der erfolgreichen „Geistesblitz“-Reihe haben mich allerdings die beiden neuen Kartenspiele „Lunte“ und „Kuhno“ absolut nicht abholen können. Beide Kartenspiele kamen mir auf den ersten Blick eher unspektakulär vor. Man wird sehen. „Geistesblitz – Spooky Doo“ wird aber sicher wieder einigen Leuten Kopfzerbrechen bereiten. Nicht nur, weil jetzt ein weiterer Gegenstand Einzug hält, sondern und gerade weil der zweite neue Gegenstand über andere Gegenstände gestülpt werden kann. Die Frage ist dann auch: „Was steckt unter dem Fez?“. Wie gesagt, da werden einige Köpfe rauchen.

Kosmos

Zum Abschluss meiner Süddeutschland-Rundreise ging es, wie sollte es anders sein, in DIE Metropole der Schwaben. Nach Schduggi, Schduagert oder wie der ADAC-Atlas schreibt „Stuttgart“. Dort sitzt ja bekanntlich der Kosmos-Verlag, der neben Experimentierkästen und Bücher auch Spiele verlegt und vertreibt. Und, die Schwaben hatten auch im fernen Franken wieder einiges für Jung und Alt zu bieten. Für die kleinen Spieler gab es „Glubschgeister“ einem Kinderspiel mit tollem Mechanismus. Es gilt, passend zur Vorgabe, Glubschgeister zu finden. Das ist aber gar nicht so einfach, denn diese verstecken sich unter „Linsen“, die alles, was unter ihnen zu sehen ist, verzerren. Konzentration und Wahrnehmung wird den Spielern nicht nur abverlangt, sondern auch gefördert. Gespielt habe ich eine Runde „Glubschgeister“ mit Freunden aus der Schweiz. Dabei entstand ein kurzes Video  (uff schwyzerdüütsch):

Ebenfalls für Kinder ist „Dschungel Bande“. Auch ein Merkspiel, gepaart mit Laufspiel und Schiebemechanismus. Schnell erklärt, verspricht es einen ungetrübten Spielspaß für Kinder ab 5, so der Verlag. Gedacht für die ganze Familie ist „Schmuggler“, ein Spiel von Catan-Erfinder Klaus Teuber und Sohn Benjamin. Bei diesem Spiel, mit „intelligenter“ Knete müssen die Spieler versuchen, in Knet eingepackte Edelsteine durch ein Loch im Zaun rollen zu lassen, ohne das diese Kugel stecken bleibt. Wem das am besten gelingt, bekommt eine Belohnung. Im Zweifelsfall, wenn es mehreren Spielern gelingt, eine passende Kugel zu formen, entscheidet die Waage über den Erst- und Zweitplatzierten. Sieht interessant aus, bleibt nur die Frage, wie lange der Knet bei regelmäßiger Benutzung noch verwendbar bleibt.

Strategiefans kommen auch 2016 bei Kosmos auf ihre Kosten. Mit „Imhotep“ gibt es viel Strategie und Interaktion vor antiker Kulisse. Wer sich beim Agieren mit Bausteinen geschickt anstellt und das richtige Timing hat, gewinnt. Auch „Imhotep“ sieht sehr interessant aus.

Natürlich gab es noch mehr zu entdecken bei Kosmos. Unter anderem wird es eine Erweiterung zu Drecksau geben und, ganz Interessant: die Catan-Big-Box! In dieser Big-Box sind neben dem Grundspiel gleich noch die Erweiterung für den fünften und sechsten Spieler dabei, sowie die Szenarien „Beste Freunde“ und „Die Helfer“. Doch damit nicht genug, auch zwei Länderpläne (Deutschland und Mallorca) finden sich in der Box. Für den Deutschlandplan gibt es obendrein noch die 12 Städte-Wahrzeichen. Somit ist die Big-Box nicht nur für Neueinsteiger in die Catan-Welt interessant.

Nuernberg_2016_03

So, das war der 3. Teil meiner Nürnberg-Tour. Teil 4 folgt … bis dahin: spielt was Schönes …